Wie treffen wir Entscheidungen?
Entscheidungen entstehen oft schrittweise.1 Das Gehirn sammelt und verarbeitet Informationen kontinuierlich. Dabei tauschen Milliarden von Nervenzellen über elektrische Signale und chemische Botenstoffe Informationen aus. Unser Gehirn bewertet Optionen unbewusst, bevor wir überhaupt eine Entscheidung treffen.2 Unsere Entscheidungen entstehen nicht an einem einzigen Ort im Gehirn. Gefühle, Erfahrungen und Überlegungen wirken dabei zusammen: Wir wägen Möglichkeiten ab, stellen uns mögliche Folgen vor und lernen aus früheren Erfahrungen. Besonders bei Unsicherheit entwickelt das Gehirn verschiedene Zukunftsszenarien.1 Auch unser Umfeld und Reize, die unsere Aufmerksamkeit wecken, beeinflussen, wofür wir uns entscheiden.2

Entscheidungsfindung – ein Experiment
Ein psychologisches Experiment3 zeigt, dass es Menschen schwerer fällt, sich zu entscheiden, je mehr Optionen zur Verfügung stehen. Dies wurde am Beispiel der Auswahl von Marmeladensorten gezeigt. Eine Gruppe bekam mehr Auswahl an Sorten. Es zeigte sich, dass diese Gruppe weniger kaufte und mit dem Sortiment unzufriedener war. Der Grund dafür: Entscheidungen fallen uns schwer, weil unser Gehirn nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten kann. Je mehr Optionen zur Verfügung stehen und je ähnlicher diese sind, desto schwieriger wird die Entscheidung.3
Warum Entscheidungen manchmal so schwerfallen
Psychologinnen und Psychologen beschreiben die Schwierigkeit, sich zu entscheiden, als Entscheidungsangst.4 Diese Angst zeigt sich durch langes Abwägen, Angst vor Fehlentscheidungen, ständiges Hinterfragen und nachträgliches Grübeln. Weitere Gründe können zudem die Sorge vor Fehlern sein oder das fehlende Vertrauen in sich selbst.
Es gibt vielfältige Gründe für die Entscheidungsangst.5 Ein weiterer Grund für Entscheidungsschwierigkeiten kann biologischer Natur sein. Der Botenstoff Noradrenalin spielt eine besondere Rolle bei der Entscheidungsfindung und hilft dabei, eine Option gegen die andere abzuwägen. Bei der Freisetzung und Übertragung von Noradrenalin kann es zu Störungen kommen. Unklar ist bisher jedoch, ob die gestörte Botenstofffreisetzung die Ursache oder Folge von Entscheidungsschwierigkeiten ist. Zudem kann Perfektionismus ein Grund für ein unangenehmes Gefühl beim Entscheiden sein. Viele entscheidungsscheue Menschen möchten die perfekte und bestmögliche Entscheidung treffen. Die Angst vor negativen Konsequenzen führt zu langem Grübeln und im schlimmsten Fall dazu, dass gar keine Entscheidung getroffen wird.

Strategien zur Entscheidungsfindung
Es ist völlig normal, dass wir uns manchmal mit Entscheidungen schwertun.6 Wenn die Wahl jedoch regelmäßig schwerfällt, kann das kräftezehrend sein. Viele greifen dann zu Pro-und-Contra-Listen – doch reine Logik reicht oft nicht aus, um ein gutes Gefühl bei einem Entschluss zu haben.
Aufschieben ist auf Dauer jedoch keine Lösung. Deshalb stellen wir Ihnen einige Strategien vor, mit denen Entscheidungen künftig leichter fallen:
1. Intuitive Strategien7
- Auf das Bauchgefühl hören8: Manchmal kann die natürliche Intuition hilfreich sein, um Entscheidungen schnell zu treffen und langfristig mit den Konsequenzen zufrieden zu sein.
2. Emotionale Strategien7
- Worst-Case-Szenario: Hierbei stellt man sich erst einmal alle mit der Entscheidung verbundenen Sorgen vor und nimmt diese ernst. Danach werden die Szenarien aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. So ist es schließlich möglich, sich auf Fakten zu konzentrieren.
- Eine Münze werfen: Dadurch können wir uns bewusstwerden, auf welche Möglichkeit wir gehofft haben. Freuen wir uns über das Ergebnis, können wir es annehmen. Haben wir ein mulmiges Gefühl, wissen wir, dass die andere Möglichkeit eher unser Wunsch gewesen ist. Jedoch sollten stark lebensverändernde Entscheidungen nicht ausschließlich durch einen Münzwurf getroffen werden.
- Mut zur Kurskorrektur: Für das eigene Gefühlschaos ist es wichtig zu realisieren, dass nicht alle Entscheidungen endgültig und unveränderlich sind.
3. Rationale Strategien7
- Der Fakten-Check: Erstellen Sie eine Liste mit den ausschlaggebenden Faktoren. Manchmal wird dabei die persönliche Gewichtung klar und die Entscheidung kann leichter getroffen werden.
- Pro-und-Contra-Liste: Dadurch haben Sie die Kriterien alle vor Augen. Manchmal hilft auch das alleinige Aufschreiben dabei, einen klaren Blick auf die Dinge zu bekommen.
- Entscheidungsmatrix: Das ist eine etwas umfangreichere Pro-und-Contra-Liste. Zusätzlich geben Sie den verschiedenen Punkten Bewertungen und Noten. Nach welchen Kriterien Sie dabei vorgehen, ist Ihnen überlassen. Nur Sie wissen, was für Sie wichtig ist.
Welche Strategie für Sie die beste ist, finden Sie durch Ausprobieren heraus. Je nach Situation können unterschiedliche Strategien hilfreich sein. Wir wünschen viel Erfolg bei der nächsten Entscheidungsfindung!
Wer sein Gehirn bei Entscheidungen unterstützen möchte, sollte auf Multitasking – also das Durchführen von mehreren Aufgaben gleichzeitig – verzichten. Oder? Finden Sie hier heraus, wie Multitasking unser Gehirn beeinflusst.
Quellen:
¹ Metzig, B. (2026, 6. Mai). Die heimliche Architektur der Entscheidung: Wie Gehirn, Gefühl und Umfeld unseren Willen formen. Wissenschaftswelle. https://wissenschaftswelle.de/post/wie-entscheidungen-entstehen-gehirn-gefuehl-umfeld
2 Wom, D. (2025, 28. Mai). Wie unser Gehirn Entscheidungen trifft: Ein Blick ins faszinierende Innenleben!. Das Wissen. https://www.das-wissen.de/fachartikel/wie-unser-gehirn-entscheidungen-trifft-ein-blick-ins-faszinierende-innenleben/
3 Iyengar, S. S., & Lepper, M. R. (2000). When choice is demotivating: Can one desire too much of a good thing?. Journal of personality and social psychology, 79(6), 995.
4 Feller, B. (2025, 5. März). Angst, Entscheidungen zu treffen – Was steckt dahinter? Psychotherapie Feller. https://www.psychotherapie-feller.de/single-post/angst-entscheidungen-zu-treffen-was-steckt-dahinter
5 Hombach, S. M. (2025, 20. Dezember). Warum fällt es so schwer, uns zu entscheiden? Der Standard. https://www.derstandard.at/story/3000000298493/warum-faellt-es-so-schwer-uns-zu-entscheiden
6 Zurecht Psychologie. (o. D.). Entscheidungen treffen ist schwierig. https://zurechtpsychologie.at/entscheidungen-treffen-ist-schwierig/
7 Landsiedel Coaching. (o. D.). Entscheidungsfindung. https://www.landsiedel-seminare.de/coaching-welt/wissen/coaching-themen/entscheidungsfindung.html
8 Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. (o. D.). Eine Entscheidung treffen: Warum fällt das manchmal so schwer? https://www.organspende-info.de/blog/entscheidungen-treffen/

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