Ein Universalgenie der Renaissance


Das Streben nach Wissen und Erkenntnis kennzeichnete das Zeitalter der Renaissance. Leonardo da Vinci, dessen Todestag sich 2019 zum 500. Male jährt, war einer der herausragenden Vertreter dieses neuen Geistes, der das Denken des Mittelalters in Frage stellte. Als "uomo universale" - als vielseitig gebildeter, aufgeschlossener und geistig unabhängiger Mensch - verkörperte Da Vinci das Idealbild eines Gelehrten seiner Zeit.

Im Laufe seiner 67 Lebensjahre betätigte Leonardo da Vinci sich als Maler, Bildhauer, Architekt und Bühnenbildner, als Mechaniker und Ingenieur, als Anatom, Astronom, Forscher und Naturphilosoph. Neben einem Dutzend Gemälde hinterließ er mehr als 20.000 Zeichnungen und Texte, von denen ein Drittel erhalten ist - Zeugnis seiner präzisen Beobachtungsgabe und seines unermesslichen Wissensdurstes.


Da Vincis Einblicke ins Gehirn

Da Vinci wollte den Menschen und die Naturerscheinungen genau beobachten und verstehen. Zum einen, um sie besser malen zu können, zum anderen aber auch, um den Dingen wahrhaftig auf den Grund zu gehen. Wie funktioniert der menschliche Körper, insbesondere Herz und Gehirn, und wie sind Körper und Seele miteinander verbunden? Um die Struktur des Gehirns zu erforschen, wandte er seine Kenntnisse von Abdrücken und Modellen aus der Bildhauerei an. Er goss heißes Wachs in die Gehirne von Toten, ließ es abkühlen und öffnete dann den Schädel. Auf diese Weise erkannte er das wahre Aussehen des Organs mit seinen flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen, den Ventrikeln, seinen Verbindungen und vielfältigen Verästelungen. Als erster fertigte Da Vinci eine realistische Zeichnung des Gehirns an. Ebenso gelangte er erstmals zur Erkenntnis, dass die Sehnerven über Kreuz mit der jeweils anderen Hirnhälfte verbunden sind.


Denken und Lernen wie Da Vinci

Angetrieben wurde Da Vincis genialer Geist von seiner unstillbaren Neugier, der "curiosità". Kaum ein Wissensgebiet, dem er sich nicht mit Begeisterung zuwandte, um es von allen Seiten gründlich zu studieren. Noch mit 52 Jahren begann er Latein zu lernen. Meist beschäftigte er sich mit mehreren Themen gleichzeitig und konnte seine Erkenntnisse verknüpfen. Mit Mut, unvoreingenommenen Augen und visionärer Kreativität suchte er nach neuen Problemlösungen. Dabei setzte er sich immer auch klare Ziele.


Was wir von Da Vinci lernen können

Sich neues Wissen erschließen und einprägen – das geht am besten, wenn man echtes Interesse und Begeisterung für die Materie mitbringt. Ebenso, wenn man ein Thema von unterschiedlichen Seiten betrachtet und es mit allen Sinnen erfährt.1,2 Klar formulierte Ziele motivieren und helfen dabei, die eigenen Anstrengungen zu fokussieren. Die Beschäftigung mit unterschiedlichen Themen fordert unser Gehirn und kann zu neuen kreativen Verknüpfungen führen.

Gerade wenn es um Leonardo da Vincis vielseitige Interessen geht, können wir uns an ihm ein Vorbild nehmen. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die immer wieder etwas Neues ausprobieren und vielfältigen Beschäftigungen nachgehen, ihr Gehirn auf Trab halten und dem geistigen Abbau im Alter entgegenwirken.3,4 Wir können die Genialität Da Vincis bewundern, besser noch: Lassen wir uns von ihm inspirieren – zu mehr Neugier, Begeisterung, Offenheit und Kreativität!


Quellen

1 Mayer KM, Yildiz IB, Macedonia M, von Kriegstein K. Visual and motor cortices differentially support the translation of foreign language words. Curr Biol. 2015 Feb 16;25(4):530-5. Zugriff am 12.08.2019 unter www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982214015693

2 Shams L, Seitz AR. Benefits of multisensory learning. Trends Cogn Sci. 2008 Nov;12(11):411-7. Zugriff am 12.08.2019 unter doi.org/10.1016/j.tics.2008.07.006

3 Küster OC, Fissler P, Laptinskaya D et al. Cognitive change is more positively associated with an active lifestyle than with training interventions in older adults at risk of dementia: a controlled interventional clinical trial. BMC Psychiatry. 2016; 16(1): 315. Published online 2016 Sep 8. doi: 10.1186/s12888-016-1018-z. Zugriff am 16.08.2018 unter www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5016950/

4 Verghese J, Lipton RB, Katz MJ, Hall CB, Derby CA, Kuslansky G, Ambrose AF, Sliwinski M, Buschke H. Leisure activities and the risk of dementia in the elderly.N Engl J Med. 2003 Jun 19;348(25):2508-16. Zugriff am 12.06.2019 unter www.ncbi.nlm.nih.gov

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