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Farb-Spaziergang im Winter: Mit offenen Augen zu mehr Gedächtniskraft

Gerade in der dunklen und oft eher grau erscheinenden Winterzeit kann es besonders bereichernd sein, die Umgebung ganz bewusst nach ihren Farben zu erkunden. Anstatt den vermeintlichen Mangel an bunten Eindrücken zu akzeptieren, werden wir mit einem Farb-Spaziergang zu Entdeckern: Wir lenken unsere Aufmerksamkeit gezielt auf kleine Farbakzente, die im Winter oft untergehen – ob das kräftige Rot eines Fahrradlichts, das sanfte Grün von Moos im Gehweg oder das leuchtende Gelb eines Handschuhs.

Was genau ist ein Farb-Spaziergang? 

Bei einem Farb-Spaziergang wählen Sie vorab eine Farbe, auf die Ihr Blick sich unterwegs konzentriert. Im Winter fordert diese Übung Ihre Wahrnehmung ganz besonders, denn die gewählte Farbe muss oft erst bewusst aufgespürt werden – sie zeigt sich in feinen Nuancen oder kleinen Details. Durch diese Suche werden Sie Ihre Umgebung aufmerksamer und achtsamer wahrnehmen, was den Geist spürbar belebt. Tatsächlich stammt die Idee des Farb-Spaziergangs aus der Kunstszene; sie regt dazu an, eingefahrene Wege zu verlassen und mit neuen Augen zu sehen.

So gehen Sie vor:

  1. Wählen Sie eine Farbe, die heute Ihre Begleiterin ist – vielleicht etwas Auffälliges wie Rot oder Blau, oder eine dezente Farbe wie Olivgrün.
  2. Lassen Sie sich durch die Stadt, den Park oder das Viertel treiben und verfolgen Sie die Spuren Ihrer Farbe: vielleicht von einem bunten Schal über das farbige Licht am Fenster bis zu einem Graffiti an der Hauswand.
  3. Nehmen Sie wahr, wie vielfältig und überraschend Ihre Farbe doch auftaucht – gerade jetzt im Winter müssen Sie manchmal genauer hinschauen. Diese Spurensuche trainiert Ihr Gehirn, Details gezielt zu erkennen.
     

Warum ist das gut fürs Gedächtnis? 

Wer Farben im Winter gezielt sucht, schult seine Aufmerksamkeit – und Forschung zeigt, dass gezielte Wahrnehmung und fokussiertes Beobachten wichtig für ein gutes Gedächtnis sind1. Durch das bewusste Aussortieren und Merken von Farbeindrücken aktivieren Sie Ihr Gedächtnis und setzen neue Reize, die das Gehirn flexibel halten2.

Außerdem erleben Sie beim Farb-Spaziergang unterschiedliche Sinneseindrücke: Sehen, Hören, vielleicht auch Fühlen (etwa beim Berühren einer rauen, braunen Rinde). Je vielfältiger die Sinneseindrücke, desto stärker verankern sich neue Informationen nachweislich im Gedächtnis3.

Und nicht zuletzt: Ein langsamer, bewusster Spaziergang durch die winterliche Umgebung baut aktiv Stress ab. Chronischer Stress kann das Erinnerungsvermögen und zentrale Hirnregionen wie den Hippocampus schwächen4. Ein Farb-Spaziergang hilft, den Kopf freizubekommen und positive Impulse für Ihr Gedächtnis zu setzen.

Probieren Sie es aus: Suchen Sie sich eine Farbe aus und lassen Sie sich überraschen, wie bunt der Winter tatsächlich ist – und wie Ihr Gehirn davon profitieren kann!

 


Ein Mann mittleren Alters mit grauen Haaren und Bart sitzt auf dem Sofa hat die Augen geschlossen und die Arme hinter dem Kopf verschränkt

Probieren Sie gerne unsere Übungen für mehr Achtsamkeit im Alltag. Wie wir Stress reduzieren und das Gedächtnis stärken.

Achtsamkeit im Alltag

Quellen:
Böckler, A., & Singer, T. (2022). Longitudinal evidence for differential plasticity of cognitive functions: Mindfulness-based mental training enhances working memory, but not perceptual discrimination, response inhibition, and metacognition. Journal of Experimental Psychology: General, 151(7), 1573–1590. doi.org/10.1037/xge0001143
2Greifzu, F., Wolf, F., & Löwel, S. (2012). Der Einfluss weitreichender Netzwerke auf die Plastizität der Großhirnrinde. e-Neuroforum, 18(2), 214-221.
3Shams, L., & Seitz, A. R. (2008). Benefits of multisensory learning. Trends in cognitive sciences, 12(11), 411–417. doi.org/10.1016/j.tics.2008.07.006
4Lupien, S. J., et al. (2007). The effects of stress on human cognition: implications for the field of brain health. Dialogues in Clinical Neuroscience, 9(4), 405–416.